Geschichte von Schloss Boitzenburg

Schloss Boitzenburg zählt zu den bedeutendsten historischen Anwesen Brandenburgs – mit über 750 Jahren Geschichte als Spiegel politischer und kultureller Wandlungen der Uckermark und Preußens.

Wir möchten unsere Besucher darauf hinweisen, dass das Schloss nur im Zusammenhang mit einer Führung zu besichtigen ist.

Ein Ort im Wandel der Zeiten

Schloss Boitzenburg ist mehr als ein beeindruckendes Bauwerk – es ist ein lebendiges Zeugnis wechselvoller Geschichte. In seinen Mauern spiegeln sich Macht und Verlust, Blüte und Verfall, Wandel und Wiederaufbruch. Generationen von Adligen, Reformern, Architekten und Kindern haben hier Spuren hinterlassen.

Spuren der Jahrhunderte

Seit dem 13. Jahrhundert wandelt sich Schloss Boitzenburg stetig – von der Wehranlage zum Herrensitz, vom adligen Zentrum zum Ort sozialer Prägung. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen und den Charakter des Ortes neu geformt.

Mittelalterliche Ursprünge

13.–14. Jahrhundert

Die erste urkundliche Erwähnung von Schloss „Boyceneborch“ stammt aus dem Jahr 1276. Sie wurde zur Sicherung der Nordgrenze der Mark Brandenburg errichtet. Ihre strategische Lage an Handelswegen und Wasserläufen machte sie zu einem bedeutenden Verteidigungsbau. 

Im 14. Jahrhundert ging der Besitz durch Heirat in die Hände der Grafen von Lindow-Ruppin über.  1398 gelangte Boitzenburg in mecklenburgischen, später in pommerschen Gesitz, um ab 1415 dauerhaft zu Brandenburg zu gehören. So werden für 1429 unter den wechselden Pfandbesitzern von Boitzenburg Hans und Jasper von Arnim genannt. 

Neubau der Schlossanlage

15.–17. Jahrhundert

Ab 1528 gehört die Schlossanlage in Boitzenburg in den Besitz der Familie von Arnim. Hans von Arnim veranlasst ab 1537 den Bau des später so genannten „Altschlosses“. Es entsteht ein dreigeschossiges Haus im Stil der Frührenaissance, mit hohem Satteldach, Zwerchhäusern und Treppenturm.

Nach dem Tod des Hans von Arnim erbten seine Söhne. Kurt erhielt das Altschloss, sein Bruder Bernd unter anderem die Vorburg. In seiner Zeit wurde hier 1590 auch in den Formen der Renaissance das Neuschloss errichtet. In die Zeit von Hans Georg von Arnim, Sohn des Bernd, fallen die Zerstörungen und Plünderungen des 30 – Jährigen Krieges. Trotz aller Kriegsereignisse wurde in einem kleinem Raum des Neuschlosses eine bemerkenswerte Stuckdecke mit Jagdszenen hergestellt.

Erweiterung zur barocken Dreiflügelanlage und die zeit großer veränderungen

18.–19. Jahrhundert

Georg Dietloff von Arnim einte den zwischenzeitlich auf mehrere Familienglieder aufgeteilten Besitz, sanierte das Anwesen und erweiterte das Neuschloss in der Mitte des 18. Jahrhunderts um zwei Gebäudeflügel. Hier fand eine neue Küche und der Bibliothekssaal eine Unterkunft. Es entstand eine dem Zeitstil entsprechende Dreiflügelanlage mit Mansarddächern. Das Altschloss blieb weitgehend unverändert. Der Enkel von Georg Dietloff, Friedrich Wilhelm von Arnim, modernisierte Land- und Forstwirtschaft und widmete sich der Umgestaltung der Garten- und Parkanlage. In seiner Zeit wurde der Marstall jenseits des Marienfließes errichtet. 1786 erhielt er angesichts der wachsenden Bedeutung der Familie den erblichen Grafentitel.  

Neuschloss und Flügelbauten wurden im 19. Jahrhundert zweimal umfangreich verändert. Zunächst unter F. A. Stüler ab 1838 orientiert am mittelalterlichen englischen Burgenstil. Dazu wurde das Neuschloss um ein Stockwerk erhöht, die Mansarddächer auf Neuschloss und Gebäudeflügel entfielen und wurden durch flachgeneigte Dächer ersetzt. Bauherr war hier Adolf Heinrich Graf von Arnim. Die bestehende Garten- und Parkanlage wurde in dieser Zeit nach Plänen von P. J. Lenné verändert. 

Adolf Graf von Arnim ließ ab 1882 durch Carl Doflein die Schlossanlage im Neo – Renassaincestil umbauen, sodass Neuschloss und Flügelbauten dem Altschloss ähnelten.

Veränderungen im 20. jahrhundert

20. Jahrhundert

Unter dem Enkel von Adolf, Dietlof Graf von Arnim, entwickelte sich der Besitz weiter, neben Modernisierungen am Schloss wurden u.a. Versorgungseinrichtungen im Ort ausgebaut. Nach zunächst weiteren gesellschaftlichen Aufstieg, verbunden mit bedeutenden Ämtern in Staat und Kirche, veränderte sich nach dem 1. Weltkrieg und dem Ende der Monarchie die Situation für die Herrschaft Boitzenburg entscheidend. Dietlof Graf v.Arnim konzentrierte sich auf den Erhalt des Besitzes. Boitzenburg war in den folgenden Zeiten mit Inflation und Weltwirtschaftskrise großen Problemen ausgesetzt. Sein Sohn Joachim Dietlof versuchte den Besitz unter problematischen Umständen für die Familie zu bewahren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs flüchteten die Schlossherren nach Westen. Im Zuge der Bodenreform wurde der Besitz mit Schloss, Land- und Fortwirtschaft enteignet. Das Schloss wurde geplündert. Es diente danach u.a. als Flüchtlingslager, Genesungs- und Erholungsheim der kasanierten Volkspolizei und letztlich bis Ende 1989 als Ferienanlage der NVA. Nach der Wende wurde Schloss Boitzenburg durch die Bundeswehr übernommen und letzlich wurde ein Käufer mit denkmalverträglichem Konzept gesucht und gefunden.

Wiederaufbau und neue Zukunft

Neuanfang ab 1999

Ab 1999 wurde Schloss Boitzenburg umfassend saniert, teilweise auch restauriert. Die Nutzung nach 1945 hatte fast vollständige Verluste der Austattung zur Folge. Durch die umfangreichen Arbeiten ist die Nutzung als Kinder- und Jugendhotel für Klassenreisen & Ferienlager und als Stätte für Feste & Feiern, für Hochzeiten & Geburtstage hergerichtet. Das Schloss in seiner schönen Umgebung lebt nun neu für Jung & Alt. 

Für einen weiteren Einblick in die Geschichte des Hauses und seinen Bewohnern empfehlen wir den Besuch unserer kleinen Ausstellung.

Architektur und Details

Schloss Boitzenburg ist ein architektonisches Gesamtkunstwerk.

Lebendige Geschichte

Schloss Boitzenburg ist kein Museum, sondern ein Ort mit Herzschlag. Es bewahrt das Erbe der Familie von Arnim, erzählt von den Brüchen deutscher Geschichte – und lebt fort in neuer Nutzung.

Ein Besuch, der bleibt

Wer hierher kommt, taucht ein in acht Jahrhunderte Wandel. Architektur, Landschaft und Geschichten berühren Vergangenheit und Gegenwart – und schenken einen Moment der Inspiration.